IMBOLC 2005
“Im Bauch von Mutter Erde: Rückkehr des Lichts, Reinigung, Erschütterungen und Opfer”

Maria Lichtmess wird erstmals im 4. Jahrhundert gefeiert. Maria erschien 40 Tage nach der Geburt von Jesus im Tempel, um sich dem Reinigungsritus zu unterziehen, der Frauen nach einer Geburt vom jüdischen Gesetz vorgeschrieben war. Gleichzeitig war im römisch-heidnischen Kalender der Februar eine Zeit der Reinigung vor dem Beginn des neuen römischen Kalenderjahres im März. Es ist anzunehmen, dass hier ein älterer Reinigungsaspekt im christlichen Gewand weitergeführt wurde.
Imbolc ist der keltischen Brigid gewidmet und das Jahreskreisfest des erwachenden Lebens.

Seit dem letzten Sonnendurchgang durch das Teufelsloch im Lattengebirge am 22. Januar schneit es in unser Region fast unaufhörlich. Das Orakel des Teufelsloch hat sich bestätigt. Und der Weg zur Höhlen-Feier war mühsam. Wer nicht Schneeschuhe oder Schier dabei hatte, der mußte durch den ungespurten Neuschnee stapfen und so die ersten „Opfer“ bringen.
Od*Chi hatte als Vorhut begonnen, den Weg durch den „Zauberwald“ und den Höhleneingang mit Kerzen zu illumieren.
In der Höhle erwartete uns jetzt ein „gewachsenes“ Eisvolk – voller Anmut und Glanz (Fotos siehe oben). Selten war das Leben der Natur so eindrucksvoll zu erfahren, wie an diesem Abend. Selbst im Altarraum fanden sich Eisfiguren an allen Stellen und so mußten Besucher und Höhlenbewohner schon nahe zusammenrutschen. Dadurch wurde es noch intensiver. Viele Kerzen ließen jetzt nicht nur den Raum sondern auch die Wesen erstrahlen. Imbolc wird ja auch als das Kerzenfest bezeichnet!
Nach dem rituellen Einladen der Elementarwesen, Naturgeister und der Gäste begann zunächst das gewohnte Eintönen und Einsingen. Doch danach zelebrierte Franz das AGNIHOTRA-Feuer mit den dazugehörigen Mantram:

OM TRYAMBAKAM YAJAMAHE
SUGANDHIM PUSHTI VARDANUM
URVAARUKAMIVA BANDHANAAT
MRITYORMUKSHEEYA MAAMRITAT

Es ist eine Art Verehrung des Feuers und des Lichts – passend zur Wiederkehr des Lichts.
Die Bedeutung von Agni wurzelt in den Tiefen des VEDA (uranfängliches Wissen; die Gesamtheit der ältesten Texte der indischen Literatur). Agni in der Form von Yajña (Feuerzeremonie) bedeutet darbringen, loslassen oder opfern. Solche Zeremonien werden aus Hingabe an das Göttliche, zur Verehrung der Naturkräfte und zur Reinigung und Energetisierung des Bewußtseins und der Atmosphäre durchgeführt. Das Feuer ist ein direktes Medium zur feinstofflichen Welt und eine Möglichkeit, mit den höheren Ebenen des Bewußtseins in Verbindung zu treten.
Agnihotra ist die kürzeste Form von Yajnya beziehungsweise die kleinste Form der atmosphären Reinigung. Wenn in der Lufthülle eines Ortes eine Veränderung gemacht wird, wird auch eine Veränderung im Prana ( Lebenskraft ) des Ortes bewirkt. Prana und das Gemüt sind wie zwei Seiten einer Münze. Dadurch hat eine Veränderung im Prana einen direkten Einfluß auf das Gemüt. Das Agnihotra bewirkt eine positive Veränderung im Prana und dadurch auch im Gemüt.

Schließlich entzündete Feuermann Robert das Höhlenfeuer am eigentlichen Feuerplatz. Erst als er ein ungewolltes Blutopfer abgab, begann der Feuergeist zu wirken – dafür dann umso mächtiger und heller – unterstützt von unseren Feuerliedern:

Fire child sing, - fire child dance
Fire child you are mine
Light streaming, Light streaming
making my fire child grow.

Thank you fire spirit, thank you for your dance,
thank you fire spirit, thank you for your light,
thank you fire spirit thank you for your heat,
thank you fire spirit, thank you for your energy

Und dann waren die Besucher getragen vom heiligen Rauch, den Räucherungen und folgenden Mantren – erhoben vom heiligen Licht und den Kerzen und verzaubert von den Klängen und Tönen menschlicher Stimmen, Trommeln, Rasseln, Shrutibox, Didgeridoo.

Und im Abschlußkreis spürten wir, dass wir alle zusammengehören, dass wir alle verwandt sind: Mitakuye Oyasin.
Die Erschütterungen der Erde, die Opfer, die Reinigungsprozesse.... wir haben sie zu Imbolc an diesem heiligen Ort auch in uns verspürt und manch einer wurde wahrhaft „erschüttert“, weil er hier auch an seine Grenzen gestossen war.
Es heißt, IMBOLC bedeutet „in the belly“ – also „im Bauch“ (Mutterleib) und wir feierten die Rückkehr des Lichts im Bauch von Mutter Erde.