zurück
Alpenschamanisches auf der Alm
- ein Bericht

Am letzten Juliwochenende dieses Jahres trafen sich auf meine Initiative und Einladung einer regionalen Heilerin (Christine) alpenschamanisch Interessierte im österreichischen Pinzgau bei Saalbach hoch oben (1500 m) auf einer Bergalm.
Es sollte ein offenes, ungezwungenes Wochenende in frischer Bergluft werden - Tage der Begegnung, der Erholung und des Feierns (Lugnasadh). Und im Laufe der vergangenen Woche zeigte sich, dass es die Wettergeister diesmal gut mit uns meinten.
Am Freitag Spätnachmittag trafen sich die meisten Almbesucher beim Besitzer der Alm, einer wunderschön gelegenen Pension hoch über dem Tal. Schon hier gab es ein erstes Kennenlernen von Menschen, die sich teilweise noch nie zuvor gesehen hatten. Ich spürte eine freudige Erregung und war schon hier beim Basistreffpunkt getragen von einer erwartungsvollen Stimmung. Leider mußten auch ein paar absagen, die kurzfristig aus persönlichen Gründen doch nicht kommen konnten.
Der relativ kurze aber steile Aufstieg war ein erstes Erschnuppern der Elemente. Die frühe Abendsonne brannte nicht mehr, das Rauschen eines Baches versprach Erfrischung für die kommenden Tage, die Kiesel zu unseren Füßen erfordeten bewußtes Gehen. Dem Bauern sei Dank (und natürlich Christines Organisation) wurde unser Gepäck in einem geländegängigen Gefährt 'hinaufgeschaufelt'.
Und bei der Ankunft gabs erst mal überall leuchtende Augen:
eine Alm, wie sie romantischer, schöner und energetischer kaum sein könnte und dann heißt sie treffenderweise noch 'Herzl-Alm'.
Christine hatte die Alm schon am Nachmittag hergerichtet, hatte ca. 75 Pinzgauer Knödel vorbereitet, die Alm ausgeräuchert und ihr Herz hier wirken lassen. Was uns dann blieb, war erst mal nur das freudige Staunen und das tiefe Durchschnaufen und das sofortige Gefühl, hier nie mehr wegzuwollen. Ein paar freilebende Stallhasen (?) schienen sich gleich als Krafttiere anbieten zu wollen, jedenfalls krochen sie zutraulich auf der Almterrasse, am Brunnen und selbst in der Alm herum.
Wir suchten uns - nach eingehender Almbesichtigung - unsere Schlafplätze entweder in der urgemütlichen Dachkammer oder im rustikalen Stall, der aber schön hergerichtet war und in dem noch gute 'tierische' Energien zu spüren waren. Im Stall gabs dann das erste Trommeln und später erklang das Waldhorn unseres Waldläufers und die Trommeln wanderten nach draußen.
Christines Bewirtung hier zu dokumentieren würde den Rahmen sprengen: es war einfach einzigartig und gigantisch und genial.
Die Herzl-Alm wurde durch Christines Herzlichkeit getragen und es war ein absolutes Erlebnis zu sehen, wie sehr sie - trotz aller Arbeit - es genoß.
Wir hatten zu tun, die reichhaltigen und köstlichen Mahlzeiten, die sie vorbereitet hatte und die auch durch den Ausfall einiger Gäste noch größer geworden waren, zu bewältigen.
Das Wochenende wurde bestimmt durch spontane Rituale und Zeremonien, durch viel Freiräume, erholsames Entspannen auf den Almwiesen in der Sonne, Begegnungen mit Bäumen  
und Krafttieren, bewußtes Erfahren von Bergkräutern u.a. im Tee, Wasser, Salat oder bei Heilanwendungen und Räucherungen.
Zum Höhepunkt wurde am Samstag Abend der Weg zum inzwischen vorbereiteten Lugnasadh-Feuerplatz quer über die Almwiese. Bereits am tagsüber entstandenen Medizinrad konnten wir uns nochmals sammeln, die Wirkweise dieses uralten Symbols in uns erfahren, Trommeln, Singen und Beten.
Und in der Dämmerung erstrahlte schließlich unser Feuer - angetrieben von Trommeln, Rasseln und immer lauter werdenden Tönen und Gesängen.
Mein Krafttier erschien real und ich stand am dunklen Waldrand und spürte und hörte seine Nähe.
Dann begann der Feuertanz - doch durfte er diesmal nicht zuende gebracht werden. Die Feuertanzleiterin verletzte sich an der Hand. An dieser Stelle all meine Heilgedanken für Sibylle!
Doch die Atmosphäre war geladen und gereinigt zugleich und als schließlich der Vollmond (Lugnasadh = Mondfest im Jahreskreis) durch die Wolken brach und das ganze Tal unter uns erstrahlen ließ, begann ein spontaner Feuerlauf und es war schon unglaublich zu beobachten, wie die Feuerläufer durchs Feuer tanzten und immer euphorischer wurden.
Und die Umarmungen und Berührungen die ums Feuer erfolgten, die spür ich heut noch in mir.
Nachdem dann die Nacht auf der Almterrasse ausklang, gingen einige zurück ans Feuer, um dort zu nächtigen und ich stellte mein Feldbett neben den Almbrunnen. Das ganzheitliche Erfahren der Elemente war ein ständiger Begleiter durch dieses Wochende:
wir gingen durchs Feuer oder beobachteten es, ließen das Quellwasser durch und über unseren Körper laufen, lagen auf der Erde und verbanden uns mit ihr und spürten die wohltuende Kraft des kühlenden Winds.
Auf der Heimfahrt merkte ich langsam, wie ich aus einer anderen Welt zurückkam. Sehnsucht verblieb in mir - aber auch eine unglaubliche Freude und Stärke
und Dankbarkeit
für den Großen Geist, unseren Spirits, Christine und den Gästen.