Räuchern

Das Räuchern - ein Relikt einer fernen Zeit, von der wir nur noch den vergangenen Zeitgeist erahnen können. Räuchern_im_LichtstrahlUnd doch ist es gerade im Alpenraum noch ins Brauchtum verwoben, in die Rauhnächte - auch Rauchnächte genannt. Die Zeit zwischen den Zeiten, in denen die Tore zur Anderswelt offen stehen und in der das Räucherritual Schutz vor negativen Energien und ungebetenen Geistern bietet.
In der alpenschamanischen Arbeit gehört der Rauch zu den Verbündeten; er verbindet Erde mit Himmel, reinigt und schützt. In meiner Trommelgruppe ist es der rituelle Beginn - noch bevor die Geister, Elemente und Krafttiere eingeladen werden. Intuitiv verwenden wir heimische Kräuter oder exotischen Weihrauch und Myrrhe - je nach Jahreszeit, Anliegen oder Befindlichkeit. Das Reinigen durch den Rauch stellt bereits die Verbindung zur geistigen Welt her. Die Sinne werden dadurch angesprochen und sensibilisiert. Wir werden zu Wanderern zwischen den Welten. Probleme werden in Rauch aufgelöst und der Kontakt nach oben hergestellt.
Rauchrituale gelten als Therapeutikum und als Mittel zur Steigerung des Wohlbefindens und besitzen auch einen mystischen und transzendentalen Gehalt. Der Rauch steht für die Vergänglichkeit des materiellen Lebens. Die Grenzen zwischen Sein und Nichtsein, zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt verschwimmen durch die aufsteigenden Räucherschwaden. Schon beim Betrachten dieses Schauspiels fühlen wir uns leichter. Verwirrte Gedanken und Gefühle klären sich und wir finden zu einer „inspirierenden Stille“, die das Fundament all unserer Taten ist. In allen Religionen ist die andächtige, achtsame Stille, die sich mühelos einstellt, wenn das Rad der Wünsche zur Ruhe gekommen ist, das Tor zur Erkenntnis.
Diese ehrfurchtsgebietende Stille vermag „Berge zu versetzen“ und Wunder zu bewirken.